Zehn-Punkte-Programm für Kita-Ausbau vorgestellt – VPK fordert mehr Qualität und Initiativen zur Fachkräftegewinnung
01.06.2012
Vierzehn Monate vor Einführung des Rechtsanspruchs für unter Dreijährige auf einen Betreuungsplatz hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder ein Zehn-Punkte-Programm vorgestellt, das den Kita-Ausbau beschleunigen und die Einführung des Rechtsanspruchs sichern soll. Der VPK hält die vorgestellten Maßnahmen für sinnvoll, betont aber gleichzeitig die Notwendigkeit weitergehenderMaßnahmen. Hier sind insbesondere eine bundesweite Fachkräfte-Initiative wie auch die gesetzliche Gleichstellung aller Träger von Kitas bei der finanziellen Förderung zu nennen.
Bis zum heutigen Tage fehlen noch mindestens 130.00 Kita-Plätze, um bis August 2013 für 780.000 Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz zur Verfügung stellen zu können. Dies ist das Ergebnis des Dritten Zwischenberichts zur Evaluation des Kinderförderungsgesetzes. Um dieses Ausbauziel zu erreichen, stellte die Bundesfamilienministerin einen Zehn-Punkte-Plan zum Kita-Ausbau vor, dessen Ziel die Beschleunigung des Ausbautempos ist. Der schleppende Ausbau soll nun unter anderem durch zinsgünstige Darlehen der Kreditanstalt fürWiederaufbau (KfW) in Höhe von 350 Millionen Euro für Kommunen undTräger angekurbelt werden, die der Bund durch Zinszuschüsse unterstützt. Außerdem ist ein neues Bundesprogramm geplant, das Personalkosten-Zuschüsse für Tagesmütter und Tagesväter vorsieht.
Der Abbau überflüssiger bürokratischer Vorschriften für die Kindertagesbetreuung sollte aus Sicht des VPK nicht nur vorübergehend sondern dauerhaft sein. Nicht die Erfüllung fragwürdiger bürokratischer Standards sondern die Qualität der Kindertagesbetreuung muss endlich in den Mittelpunkt des Interesses gerückt werden.
Die geplanten Anreize für Unternehmen zur Schaffung von Betriebskitas werden sehr begrüßt, da hiermit zusätzliche und dringend benötigte Plätze geschaffen werden können. Und auch das bis zum Jahr 2020 vorgesehene „Qualitätsgesetz”, das für bundesweit gültige Mindeststandards für die Qualität der Kinderbetreuung sorgen soll, ist zu loben. Durch das Qualitätsgesetz soll ein „Rahmen- Bildungsplan“ mit bundesweiter Gültigkeit geschaffen werden, der den Förderauftrag mit Mindeststandards konkretisiert und den Bildungsplänen der Länder trotzdem noch Spielraum für landesspezifische Gestaltung überlässt. Aus Sicht des VPK kommt es vor allem darauf an, auch für den Bereich der Kindertagespflege verbindliche und bundesweit geltende Qualitätsstandards einzuführen.
„Wir begrüßen die geplanten Maßnahmen der Bundesregierung, die zur Erreichung des Ausbauziels bis 2013 beitragen sollen. Es ist dringender Handlungsbedarf geboten, ansonsten kann das Ausbauziel aus unserer Sicht nicht erreicht werden“, so Martin Adam, Vizepräsident des VPK-Bundesverbandes. „Unternehmen können einen wesentlichen Beitrag zum Ausbau von Angeboten leisten, hierfür benötigen sie jedoch auch die entsprechenden Rahmenbedingungen. Insofern freuen wir uns besonders über die Pläne des Bundesfamilienministeriums, Träger von Betriebskitas zukünftig noch stärker zu fördern. Allerdings spielen auch alle anderen privatenTräger von Kitas eine erhebliche Rolle beim Ausbau. Diese dürfen bei der Finanzierung keinesfalls – wie derzeit üblich – vernachlässigt werden. Private Träger von Kindertageseinrichtungen leisten Tag fürTag engagierte und qualitativ hochwertige Arbeit, sie bieten Betreuungskonzepte, welche die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen und bieten ihren Angestellten vielfältige Gestaltungsspielräume im Berufsfeld. Diese Träger bedürfen der öffentlichen Anerkennung und finanziellen Förderung, damit sie ihre hervorragende Arbeit auch in Zukunft fortsetzen können“, so Adam weiter.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Gewinnung und Ausbildung der dringend benötigten Fachkräfte. „Bis August 2012 fehlen nach Angaben des Bundesfamilienministeriums rund 14.000 Erzieherinnen und Erzieher und zwischen 16.000 und 27.000Tagesmütter und -väter. Der Fachkräftemangel ist bereits heute überall zu spüren und stellt aus Sicht des VPK eine enorme Gefährdung des Kita-Ausbaus dar. Qualitativ hochwertige Kita-Arbeit kann nur sichergestellt werden, wenn der Betreuungsschlüssel stimmt. Deshalb bedarf es der Einführung innovativer und praxisnaher Ausbildungskonzepte wie beispielsweise dualen Ausbildungsformen, aber auch der Öffnung der Kitas gegenüber Menschen mit heterogenen Bildungsbiografien, welche die Fachkräfteteams mit ihren Erfahrungen und Kompetenzen bereichern können. Multiprofessionelle Fachkräfteteams sollten fester Bestandteil zukünftiger Kita-Konzepte sein und Kinder bestmöglich in ihrer Entwicklung unterstützen“, so Martin Adam abschließend.
Hintergrund
Der VPK-Bundesverband ist der einzige bundesweite Dachverband für private Leistungsträger in der Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe.Mitglieder sind Landes- und Fachverbände sowie Vereine, Verbände und sonstige Körperschaften, die auf Grundlage des Sozialgesetzbuches verschiedene Dienstleistungen in der Kinder- und Jugendhilfe erbringen. Der VPK versteht sich in erster Linie als ein interessengeleiteter gemeinnütziger Verband zur Unterstützung der im VPK zusammengeschlossenen privaten Träger der Kinder- und Jugendhilfe und wird für deren Vertretung gegenüber Politik und Gesellschaft aktiv. Der Verband ist von seinem Selbstverständnis her leistungs-, qualitäts- und kostenorientiert und in verschiedenen übergreifenden Gremien aktiv vertreten. Er wird in allgemeinen und grundsätzlichen Fragestellungen der Kinder- und Jugendhilfe initiativ, verfasst Stellungnahmen, unterhält eine Internetseite und gibt die Fachzeitschrift „Blickpunkt Jugendhilfe“ heraus.
Quelle: Pressemitteilung des Bundesverbandes privater Träger der freien Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe e.V. (VPK) vom 31.05.2012
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