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Kerncurriculum Soziale Arbeit setzt Signale für gutes Studium - Redaktion Sozial.de sprach mit Prof. Dr. Dieter Röh

Die Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) hat ein Kerncurriculum für die Soziale Arbeit verabschiedet. 15 Jahre nach der Anerkennung der Sozialen Arbeit als eigenständige Fachwissenschaft durch die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und die Kultusministerkonferenz (KMK) veröffentlicht sie damit erstmals Standards in der Vermittlung der wissenschaftlichen Grundlagen Sozialer Arbeit.

Auf dem neunseitigen Papier ist kurz und knapp formuliert, welche Studieninhalte in jedem Studiengang der Sozialen Arbeit vorkommen sollten. Insgesamt kommt es im Prozess der wissenschaftlichen Qualifizierung darauf an, heißt es da, bei den Studierenden eine akademische Grundhaltung zu befördern, die sie in die Lage versetzt, den Gegenstand ihrer Arbeit und ihre Rolle im Prozess der Wahrnehmung, Erklärung und Handlung kritisch zu reflektieren. Deswegen muss die Ausbildung dieser Reflexionsfähigkeit – in dem jeweils gegebenen zeitlichen Rahmen – gegenüber reiner Wissensvermittlung oder - akkumulation immer im Vordergrund stehen.

Redaktion Sozial.de fragte bei einem der Autoren des Kerncurriculums Soziale Arbeit, Prof. Dr. Dieter Röh von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und Vorstandsmitglied dter DGSA, nach Entstehung und Perspektiven des Papiers.

Sozial.de: Die Studienlandschaft für Soziale Arbeit wird immer bunter. Wie kam es inmitten der Entwicklung zu einem Kerncurriculum?

Prof. Röh: Das Kerncurriculum wurde schon 2005 von einer Arbeitsgruppe der Sektion „Theorie- und Wissenschaftsentwicklung in der Sozialen Arbeit” in der DGSA unter Mitwirkung von Ernst Engelke, Manuela Leideritz, Konrad Maier, Richard Sorg und Silvia Staub-Bernasconi erstellt. Diese Fassung wurde jedoch von der DGSA insgesamt nie offiziell verabschiedet. Die daraufhin wesentlich überarbeitete Fassung des Kerncurriculums Soziale Arbeit wurde unter Beteiligung der Mitglieder diskutiert und schließlich auf der 16. Mitgliederversammlung der DGSA am 29. April 2016 beschlossen. Es war den damaligen Autorinnen und Autoren wie uns als DGSA-Vorstand auch heute noch wichtig, die Entwicklung der Studiengänge dahingehend zu beeinflussen, dass trotz der Diversifizierung und Spezialisierung ein identitärer Kern dessen sichtbar ist, was es ausmacht, Soziale Arbeit zu lehren und zu studieren.

Sozial.de: Ein Kerncurriculum muss Bewegung, Lebendigkeit und Entwicklung im Wissenschaftssystem zulassen, heißt es an einer Stelle des Papiers. Wie gelingt so etwas? Und wie lässt sich dann zugleich Verbindlichkeit mit diesem Papier erreichen?

Prof. Röh: Jede Wissenschaft, so auch die Soziale Arbeit, lebt ja quasi vom Diskurs unter den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und würde unter einer zu starren Doktrin, was diese Wissenschaft ausmacht, intellektuell verkümmern. Sie könnte darüber hinaus auch gar nicht mehr ihre gesellschaftliche Funktion wahrnehmen, die meines Erachtens darin besteht, Probleme aus der Gesellschaft aufzunehmen, zu diskutieren, diesbezügliche Fragen zu beantworten und Vorschläge für Lösungen anzubieten. Trotzdem wünschen wir uns natürlich, dass das Kerncurriculum eine orientierende und vielleicht auch steuernde Funktion hat. Jedenfalls erreichen uns schon jetzt Rückmeldungen, dass man froh über dieses Orientierungsangebot sei. Redaktion

Sozial.de: Welche Rolle/Auswirkungen verbinden Sie mit dem Kerncurriculum für die Profession Soziale Arbeit insgesamt?

Prof. Röh: Die zukünftigen Professionellen in der Sozialen Arbeit werden ja durch ihr Studium an den Hochschulen auf die Praxis in einer akademischen Art und Weise vorbereitet und so die Grundsteine für Wissen, Können und Haltung gelegt. Selbstverständlich kommt dann Erfahrungswissen hinzu, das hoffentlich wiederum durch wissenschaftliches Wissen reflektiert wird. Das Kerncurriculum soll den lehrenden Kolleginnen und Kollegen, den Studierenden, den Hochschulleitungen und nicht zuletzt der Praxis und der Politik signalisieren, was ein gutes Studium der Sozialen Arbeit ausmacht. In Kombination mit professionellen Standards, wie sie von anderer Stelle definiert werden, zum Beispiel durch den Ethikkodex oder auch die Schlüsselkompetenzen des DBSH, oder auch den gerade neu gefassten Qualifikationsrahmen des Fachbereichstages Soziale Arbeit, entsteht ein brauchbares Gerüst für die Bestimmung der sozialarbeiterischen Professionalität. Zudem entstehen aus der Vielfalt der Zugänge immer wieder inspirierende und kreative neue Zugänge zur Lösung der gesellschaftlichen Fragestellungen.

Herzlichen Dank!
Das Gespräch führte Ines Nowack, Chefredaktion Sozial.de

Das Kerncurriculum Soziale Arbeit kann heruntergeladen werden auf den DGSA-Internetseiten unter www.dgsa.de/veroeffentlichungen/kerncurriculum-soziale-arbeit/

Möglichkeiten zu einem lebendigen Diskurs bietet die Fachgesellschaft neuerdings auch auf ihren Seiten im Netz unter www.blog.dgsa.de

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