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UNICEF: Entwicklung der Kinderrechte "am Scheideweg"

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens der UN-Kinderrechtskonvention hat UNICEF zum Ende des vergangenen Jahres einen umfassenden Bericht zur Lage der Kinder in aller Welt erstellt. Nachdem die Entwicklungen in den Bereichen Kindersterblichkeit und Gesundheit lange positiv waren, zeigen sich mittlerweile erste Stagnationstendenzen.

Die gute Nachricht vorweg: In den letzten 30 Jahren hat sich die durchschnittliche Lage der Kinder auf der Welt insgesamt verbessert. So starben 2018 60% weniger Kinder unter 5 Jahren als noch 1990; dennoch waren es weltweit immer noch mehr als 5 Millionen. Dass die Kindersterblichkeit auch weiterhin sinkt, hängt in erster Linie von der Gesundheitsversorgung der ärmsten Menschen ab. Doch gerade hier stagniert laut UNICEF-Report die Entwicklung, was beim Thema Impfschutz deutlich wird: Fast 20 Millionen Neugeborene erhielten 2018 nicht die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Dreifachimpfung gegen Diphterie, Tetanus und Keuchhusten. Hierbei kommt es laut Studie zu erheblichen regionalen Unterschieden, sodass damit zu rechnen ist, dass die Kindersterblichkeit in den schlechter versorgten Gegenden wieder ansteigen wird. Auch gegen Masern wird zum Teil weniger geimpft als früher. So regisitrierte die WHO bis September 2019 weltweit ca. 420.000 Masernfälle. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2018 waren es nur rund 170.000 Fälle.

Entwicklung im Bildungsbereich stagniert

Im Bildungsbereich staginert nach deutlichen Verbesserungen in den 1990er und 2000er-Jahren die Entwicklung. Der UNICEF-Report macht hierfür u.a. das starke Bevölkerungswachstum verantwortlich. So besuchen zwar deutlich mehr Kinder die Grundschule als noch vor 30 Jahren - gerade Mädchen haben hiervon weltweit profitiert -, doch ist die Bildungsinfrastruktur häufig nicht mitgewachsen. UNICEF schätzt, dass allein in Afrika in den kommenden zehn Jahren weit mehr als eine Million Lehrer*innen erforderlich sein werden, um den jetzigen Betreuungsschlüssel halten zu können. Wie nicht anders zu erwarten war, erhalten vor allem diejenigen Kinder keinen Zugang zum Bildungssystem, die ohnehin schon strukturell benachteiligt sind. Fast jedes vierte Kind, das nicht zur Schule geht, lebt in einer Region, die von Naturkatastrophen und/oder kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen ist. Häufig sind die Kinder Angehörige unterdrückter Minderheiten. Eine weitere besorgniserregende Erkenntnis ist, dass immer mehr Kinder, die formal eine Schule besucht haben, nach Beendigung der Grundschulzeit nicht über ausreichende Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen verfügen.

Unterschiede zwischen Stadt und Land

Auch wenn die Bildungs- und Gesundheitsinfrastruktur fast überall auf der Welt im urbanen Raum besser ist als auf dem Land, ist Kinderarmut in den letzten Jahren global betrachtet zunehmend zu einem städtischen Problem geworden. Als Ursache beschreibt der Bericht vor allem die drastische soziale Ungleichheit in vielen Städten. Während Kinder aus wohlhabenden Familien überdurchschnittlich gut versorgt werden können, leiden Kinder aus ärmeren Stadtvierteln unter schlechten hygienischen Bedindungen, einer unzureichenden Gesundheitsversorgung und Unter- bzw. Mangelernährung. Dies führt dazu, dass die Sterblichkeit bei Kindern unter 5 Jahren aus armen Stadtteilen mehr als doppelt so hoch ist als bei Kindern aus reicheren Stadtteilen. Weltweite Chancengleichheit ist somit nicht nur ein globales Thema, sondern in zunehmenden Maße auch ein regionales. Hinzu kommen natürlich all jene Ungleichheitsaspekte, die mit dem fortschreitenden Klimawandel und seinen sozialen Folgen einhergehen - auch in den Städten.

Umsetzung der Kinderrechte "an einem Scheideweg"

30 Jahre nach ihrem Inkrafttreten sieht UNICEF die Kinderrechte und ihre Umsetzung "an einem Scheideweg". Der Graben zwischen der formalen Gültigkeit der Kinderrechte und ihrer praktischen Umsetzung ist immer noch sehr groß. Vor allem aber sei zu befürchten, dass sich die grundsätzlich positive Entwicklung der letzten drei Jahrzehnte nicht weiter fortsetzt. Zentraler Ausgangspunkt für eine Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention ist aus Sicht von UNICEF "ein entschlossener Kampf gegen Armut, Hunger, Diskriminierung und Umweltzerstörung". Dies kombiniert mit einer guten Bildungs- und Ausbildungspolitik, die jungen Menschen Perspektiven bietet, seien die Bedingungen für eine nachhaltige Entwicklung. Entsprechend müsse die Politik auch finanzielle Prioritäten sezten.

Den vollständigen Bericht finden Sie auf der Seite von UNICEF Deutschland.


Quelle: Pressemitteilung von UNICEF Deutschland